Liebe Christine, erzähl uns ein bisschen was über dich… Wer bist du? Woher kommst du?
Christine: Ich komme ursprünglich aus dem Berner Oberland und habe dort meine berufliche Laufbahn als kaufmännische Angestellte bei den Jungfraubahnen gestartet. Schon als Teenager wurde es mir dort zu eng und ich habe gesagt, dass ich in Bern leben will. Das tue ich nun seit mehr als 20 Jahren doch der Weg dahin war, im wahrsten Sinne des Wortes, lang.
Nach verschiedenen Stationen im Tourismus in der Schweiz zog es mich zunächst für 3,5 Jahre ins Ausland. Für Kuoni Reisen war ich als Reiseleiterin unterwegs und betreute Schweizer Gäste in Spanien, Tunesien, Israel und Ägypten. Zurück in der Schweiz bin ich über Interlaken und Thun dann schlussendlich in Bern gelandet und das hat auch meine berufliche Laufbahn, per Zufall, vom kaufmännischen Bereich und Tourismus in die Welt der Informatik verschoben.
Eine beeindruckende Reise mit vielen spannenden Stationen. Welche Werte wurden dir von deinen Eltern mitgegeben?
Christine: Von meinen Eltern habe ich vor allem traditionelle Werte mitbekommen. Die haben mich einerseits lange geprägt und andererseits motiviert, mein Leben anders und nach eigenen Vorstellungen zu gestalten. Darum ist manches bei mir bewusst nicht mehr so konventionell.
Meine Mutter ist definitiv mein Role Model wenn es darum geht, die eigenen Finanzen im Griff zu haben und dafür Verantwortung zu übernehmen.
Eigenverantwortung und Unabhängigkeit, zentrale Themen auf deinem Weg. Wie bist du auf die Innovations- und Techbranche aufmerksam geworden? Was interessiert dich daran?
Christine: Den Sprung in die IT habe ich anfangs der 2000er Jahre gemacht. Ehrlich gesagt eher zufällig. Ich wollte endlich nach Bern und habe mich für eine Stelle als Backoffice Assistant in deiner IT Abteilung beworben. Ich hatte keine Ahnung von IT und wusste damals nicht mal genau, wofür die Abkürzung überhaupt steht. Aber das Vorstellungsgespräch war sympathisch und ich wollte die Chance nutzen.
So sass ich dann plötzlich am Telefon und habe First Level Support gemacht bei Serverinstallationen geholfen und Projektaufgaben übernommen, obwohl ich von Projektmanagement noch keine oder allenfalls theoretische Ahnung hatte. Mein damaliger Chef erkannte mein Potenzial und förderte mich. Inspiriert durch eine Kollegin, die damals gerade ihren Abschluss als Diplomierte Wirtschaftsinformatikerin machte, habe ich mich auch für diese Fachrichtung entschieden. Frauen in diesem Bereich gab es damals noch nicht viele und das hat mich fasziniert. So konnte ich berufsbegleitend den Fachausweis und das eidgenössische Diplom in Wirtschaftsinformatik absolvieren, Führungserfahrung sammeln und Führungspositionen übernehmen.
Ein Weg, der Mut und Offenheit verlangt – und zeigt, wie viel möglich ist, wenn jemand an dich glaubt. Was treibt dich bei der Arbeit an?
Christine: Ich bin von Natur aus neugierig und suche Abwechslung. Deshalb arbeite ich wohl gerne in Projekten. Kein Projekt gleicht dem anderen, und jedes bringt neue Herausforderungen, neue Themen und neue Menschen mit sich.
Was mich dabei antreibt: tragfähige Strukturen schaffen, Ordnung ins Chaos bringen und Aufträge ins Ziel führen. Gerade in Projekten, wo die Zielorientierung oder die Führung irgendwo verloren gegangen ist. Dann helfe ich dabei, den Fokus wiederzufinden und die Dinge wieder in Bewegung zu bringen oder ein Projekt von Anfang an so aufzustellen.
Du bringst Struktur in komplexe Situationen, das zieht sich wie ein roter Faden durch deinen Werdegang. Worauf bist du besonders stolz?
Christine: Wenn ich zurückschaue, bin ich vor allem stolz auf den Weg selbst und die Entwicklung, die ich dabei gemacht habe. Das war kein geplanter Karrierepfad, sondern ein Weg, der sich Schritt für Schritt ergeben hat. Ich habe oft einfach meinem Gefühl und meiner Intuition vertraut. Ich habe mich auf Unbekanntes eingelassen, Herausforderungen angenommen, ohne immer zu wissen, wohin sie führen und bin daran gewachsen.
Heute erlaube ich mir, unterschiedliche Dinge zu tun, die mir wirklich Spass machen. So bin ich nebenbei wieder als Reiseleiterin tätig und führe ausländische Gäste durch meine Herkunftsregion. Das ist nicht nur ein schöner Ausgleich, es fordert auch erstaunlich ähnliche Skills wie das Projektmanagement: Menschen führen, den Überblick behalten, auf Unerwartetes reagieren und alle sicher ans Ziel bringen.
Ein spannender Weg, den du gegangen bist und auch noch gehst! Was war deine bisher grösste Herausforderung in deinem Job? Wie hast du sie gemeistert?
Christine: Als junge Reiseleiterin im Ausland habe ich die eine oder andere Situation erlebt, die nicht nur Nervenstärke verlangte, sondern auch Einfallsreichtum, Organisationstalent und schnelle Lösungen, ohne dabei die Ruhe zu verlieren. Rückblickend war das eine der wertvollsten Schulen meines Lebens. Alles Skills, die ich später in der IT und im Projektgeschäft direkt übernehmen konnte.
Welche Ratschläge gibst du anderen Frauen in Innovation und Tech?
Christine: Du kannst es sowieso nicht allen recht machen, also versuche es gar nicht erst. Bleib bei dir und vor allem dir selbst treu. Folge der Freude und lass dich vom Leben überraschen. Vernetze dich, aber bewusst. Suche dir ein Umfeld, das dich unterstützt und trägt.
Vielen Dank liebe Christine, für deine Offenheit und diese inspirierenden EinblickeFür den nächsten Teil möchten wir von dir kurz und knapp wissen, was dir zu den genannten Begriffen als Erstes in den Sinn kommt.
Diversität
Christine: Spannende Vielfalt.
Zukunft
Christine: Gestaltungsraum
Frauen in Tech
Christine: Andere Perspektive
Algorithmen
Christine: hilfreich vs. manipulativ
Internet of Things
Christine: Kann auch nach hinten losgehen
Job-Sharing
Christine: Chancen
Pflege-Roboter
Christine: Wird die Menschlichkeit nicht ersetzen
Danke dir! Und nun noch ein paar “entweder… oder” Fragen. Wofür entscheidest du dich bei den folgenden Begriffen (Christines Antwort ist fett dargestellt).
Online oder Face to Face?
Künstliche Intelligenz oder Menschliches Gehirn?
Digital oder Analog?
Urne oder e-Voting?
Cocktail oder Bier?
Karriere oder Familie oder Beides?
Das war’s schon. Vielen Dank, liebe Christine, dass wir einen Einblick in dein Leben werfen durften. Du bist ein echtes Vorbild! Ich wünsche dir alles Gute für deine berufliche und private Zukunft.
