Liebe Michelle, erzähl uns ein bisschen was über dich… Wer bist du? Woher kommst du?
Michelle: Aufgewachsen bin ich im Engadin, einer Region, die mich mit ihrer eindrücklichen Natur, gelebten Mehrsprachigkeit und starken kulturellen Identität bis heute prägt. Meine Muttersprache ist Rätoromanisch, Deutsch habe ich als erste Fremdsprache in der Schule gelernt. Diese sprachliche und kulturelle Prägung hat mein Bewusstsein für Identität, Verantwortung und Haltung geschärft und beeinflusst mein Führungsverständnis nachhaltig. Ich reise gerne und begegne mit Neugier neuen Kulturen, weil unterschiedliche Perspektiven mir helfen, Menschen, Zusammenhänge und Arbeitsweisen besser zu verstehen. Mein beruflicher Weg begann mit einer Lehre als Informatikerin mit Schwerpunkt Systemtechnik. Früh hat mich fasziniert, wie Technik, Organisation und Menschen zusammenspielen und wie wichtig es ist, Dinge nicht nur zu planen, sondern aktiv zu gestalten. Über verschiedene Stationen in der Privatwirtschaft und der öffentlichen Verwaltung führte mich mein Weg von der technischen Umsetzung über Projekt- und Produktverantwortung bis in Führungsrollen in der IT. Dabei habe ich gelernt, Lösungen nicht nur zu konzipieren, sondern sie gemeinsam mit anderen aktiv umzusetzen und so zu gestalten, dass sie sich auch im operativen Betrieb bewähren. Als Führungskraft in der IT ist es mir wichtig, Agilität und Innovation mit Stabilität und Verlässlichkeit zu verbinden. Ich sehe diese Balance als zentrale Führungsaufgabe. Mich motiviert der Gestaltungswille, Verantwortung zu übernehmen, Menschen einzubinden und Veränderungen nicht nur zu denken, sondern aktiv mitzugestalten und nachhaltig wirksam zu machen. Vertrauen, Dialog und gegenseitige Unterstützung bilden für mich die Basis erfolgreicher Zusammenarbeit.
Das ist ein spannender Background und du hast schon sehr viel erlebt! Welche Werte wurden dir von deinen Eltern mitgegeben?
Michelle: Von meinen Eltern habe ich gelernt, Verantwortung für mein eigenes Leben zu übernehmen und Dinge aktiv anzugehen, statt auf Lösungen von aussen zu warten. Sie haben mir vorgelebt, dass Vertrauen, Leistungsbereitschaft und Loyalität gelebte Haltungen sind und keine blossen Schlagworte. Besonders prägend war für mich die Erfahrung, dass Entwicklung auch über Fehler entsteht und Lernen ein lebenslanger Prozess ist, bei dem Haltung wichtiger ist als Perfektion. Diese Werte haben mein Denken und Handeln nachhaltig geprägt.
Das sind sehr wertvolle Werte, Michelle! Und wie bist du auf die Innovations- und Techbranche aufmerksam geworden? Was interessiert dich daran?
Michelle: Schon früh habe ich mich für Technik und Zusammenhänge interessiert und wollte verstehen, wie Dinge funktionieren. Mit meiner Lehre als Informatikerin erhielt diese Neugier eine konkrete Richtung. In meinen ersten Berufsjahren durfte ich früh Verantwortung in Projekten übernehmen und habe dabei gemerkt, dass meine Leidenschaft im aktiven Gestalten von Lösungen liegt, im kontinuierlichen Lernen und im Umsetzen von Ideen. Diese Begeisterung führte mich zum Studium der Wirtschaftsinformatik und später zum Master in Business Administration mit Vertiefung in Innovationsmanagement. Mich fasziniert bis heute das Zusammenspiel von Menschen, Technologie und Wirtschaft, insbesondere dann, wenn es gelingt, Komplexität zu reduzieren und echten Mehrwert zu schaffen. In meinen Rollen als Scrum Master und Product Owner habe ich die Wirkung agiler Arbeitsweisen unmittelbar erlebt und erfahren, wie Agilität als Haltung Eigenverantwortung, Lernbereitschaft und eine positive Unternehmenskultur fördert. Heute steht für mich insbesondere im Zentrum, wie Digitalisierung und agile Prinzipien sinnvoll eingesetzt werden können, um die Verwaltung weiterzuentwickeln mit verlässlichen, nutzerorientierten und innovativen Services für Bevölkerung und Wirtschaft sowie mit effizienteren und wirkungsvolleren Abläufen innerhalb der Organisation. Genau diese Verbindung von Technologie, Agilität und nachhaltiger Wirkung macht die Innovations- und Techbranche für mich so spannend.
Wow, sehr spannend und abwechslungsreich! Was treibt dich bei der Arbeit an?
Michelle: Mich treibt der Wunsch an, Dinge gemeinsam mit anderen aktiv zu gestalten und echte Wirkung zu erzielen. Es motiviert mich, Verantwortung zu übernehmen, unterschiedliche Perspektiven zusammenzubringen und komplexe Herausforderungen im Team zu strukturieren, um tragfähige Lösungen zu entwickeln, die sich im Alltag bewähren. Besonders motivierend sind für mich ein partnerschaftliches Miteinander, offener Dialog und der Mut, als Team neue Wege zu gehen, auf deren Basis nachhaltige Ergebnisse und echte Weiterentwicklung entstehen.
Worauf bist du besonders stolz?
Michelle: Ich bin stolz darauf, mir über die Jahre eine klare Haltung erarbeitet zu haben und meinen Werten auch unter herausfordernden Bedingungen treu zu bleiben. Veränderungen sehe ich nicht als Risiko, sondern als Chance für Lernen und persönliche Weiterentwicklung. Ich schätze an meinem Weg, dass ich meine Ziele auch in anspruchsvollen Situationen nicht aus den Augen verloren habe, selbst wenn dafür mehr als eine Extrameile nötig war.
Darauf kannst du wirklich stolz sein! Was war deine bisher grösste Herausforderung in deinem Job? Wie hast du sie gemeistert?
Michelle: Eine meiner grössten Herausforderungen war es, Menschen durch Veränderungsprozesse zu begleiten und gleichzeitig mehrere Projekte parallel aufzugleisen und voranzutreiben. Dabei galt es, die Erwartungen des Umfelds transparent zu machen und zu steuern, die Vision des Produktes zu verantworten sowie Entscheidungen zu treffen, auch wenn nicht alle Informationen vollständig vorlagen. Führung bringt in solchen Situationen immer auch personelle und zwischenmenschliche Herausforderungen mit sich, die Klarheit, Dialog und Haltung erfordern. Zusätzlich ist es für mich persönlich anspruchsvoll, meine grosse Begeisterung für meine Arbeit mit genügend Zeit für mein Privatleben in Einklang zu bringen. Diesen Spagat versuche ich durch bewusste Priorisierung, regelmässige Reflexion und aktives Planen zu meistern. Mein Ziel ist es, meine eigenen Grenzen bewusst wahrzunehmen und meine Energie gezielt zu steuern, um langfristig leistungsfähig zu bleiben und sowohl beruflich als auch privat präsent zu sein.
Welche Ratschläge gibst du anderen Frauen in Innovation und Tech?
Michelle: Ich würde anderen Frauen raten, ihre Ziele nicht aus den Augen zu verlieren, an sich selbst zu glauben und bei sich zu bleiben. Hilfreich kann es sein, sich nicht kleinreden zu lassen, über eigene Erfolge zu sprechen und die eigene Leistung sichtbar zu machen. Den eigenen Wirkungsraum bewusst dort zu erweitern, wo Weichen gestellt werden und nicht nur dort, wo Aufgaben abgearbeitet werden.
… Das sind sehr wichtige und gute Ratschläge, vielen Dank liebe Michelle! Für den nächsten Teil möchten wir von dir kurz und knapp wissen, was dir zu den genannten Begriffen als Erstes in den Sinn kommt.
Diversität
Michelle: Vielfalt im Denken und in unterschiedlichen Perspektiven, die Innovation erst möglich machen
Zukunft
Michelle: Gestalten, Verantwortung übernehmen
Frauen in Tech
Michelle: Zusammenarbeit auf Augenhöhe
Algorithmen
Michelle: Sind nur so gut wie die zugrundeliegende Daten und ersetzen nicht das menschliche Urteilsvermögen
Internet of Things
Michelle: Prozesse steuerbar und effizienter strukturieren
Job-Sharing
Michelle: Lebensphasen mit Familie, Care-Arbeit oder intensiven Hobbys
Pflege-Roboter
Michelle: Unterstützen, ersetzen aber keine Menschlichkeit
Danke dir! Und nun noch ein paar “entweder… oder” Fragen. Wofür entscheidest du dich bei den folgenden Begriffen (Michelles Antwort ist fett dargestellt).
Online oder Face to Face?
Künstliche Intelligenz oder Menschliches Gehirn?
Digital oder Analog?
Urne oder e-Voting?
Cocktail oder Bier?
Karriere oder Familie oder Beides?
Das war’s schon. Vielen Dank, liebe Michelle, dass wir einen Einblick in dein Leben werfen durften. Du bist ein echtes Vorbild! Ich wünsche dir alles Gute für deine berufliche und private Zukunft.
